News Frankreich Trab, 24.02.2025
(hen) Am 01. März ist es ein Jahr her, dass Eric Fournier seine 2016 aufgegebene Trainertätigkeit wieder aufgenommen hat. Während dieser Auszeit war er aber nicht untätig. In der "Pause" war er als Agent unter anderem für Eric Raffin zuständig. Dies waren sieben Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit, geprägt von fünf "Sulky D´Or´s", also nationalen Fahrerchampionaten für Raffin. Dazu gab es die Rekordbilanz von 351 Siegen in einem Jahr für Raffin, ohne dass Fournier daraus persönlichen Ruhm gezogen hätte. In seinem Leben im Rennsport hat Fournier nahezu alles erlebt: Pfleger, Angestellter, privater Trainer, Transporteur oder auch Agent. Seit fast einem Jahr ist er als wieder in der Rolle des Ausbilders. Und zwar für den Ecurie Minier, wie schon acht Jahre zuvor. Die Farben haben sich kürzlich in Vincennes mit Ivorino D'Echal hervorgetan. Grund genug für 24H Au Trot ein Portrait über Fournier zu skizzieren.
Seit fast einem Jahr taucht der Name Eric Fournier also wieder in der Spalte der Trainer in den Programmen auf. Der aus dem Westen Frankreichs stammende 53jährige brauchte nicht lange, um wieder in die Erfolgsspur zu finden. Nach zehn Siegern im Vorjahr, hat Ivorino D'Echal seit Jahresbeginn zweimal in Vincennes gewonnen, bevor er letzten Dienstag den zweiten Platz belegte. "2016 habe ich beschlossen, als Trainer aufzuhören, weil ich nicht sehen konnte, welche Pferde mir ein gutes Jahr bescheren würden. Mit dem Besitzer waren wir auch nicht mehr auf einer Wellenlänge. Ich wollte nicht, dass wir im Streit auseinandergehen und hörte lieber auf. Ich sage nicht, dass ich damals wusste, dass ich eines Tages wieder Trainer werden würde, aber ich habe es gehofft", gesteht Eric Fournier.
War es also eine Midlife-Crisis, die ihn Anfang letzten Jahres zu der Entscheidung veranlasste, seine Rolle als Agent zu beenden? Sein von Eric Raffin angeführtes "Team" wurde daraufhin zum fünften Mal in Folge zum Sulky d'Or gekürt. Auch Anthony Barrier gehörte zu seinen "Schützlingen", der zu diesem Zeitpunkt wieder eine Saison mit mehr als hundert Siegern hinter sich hatte. Somit ritt das Team auf einer Erfolgswelle. "Ich fühlte mich sowohl geistig, als auch körperlich müde", erklärt er seine Entscheidung. "Es ist kein einzelner Parameter, es sind viele Parameter, und wenn man die Vor- und Nachteile abwägt, sagt man sich, dass man damit aufhören muss."
Agent ein wenig wider Willen
Diese Entscheidung dürfte mehr als eine Person überrascht haben. Aber das war schon so, als er zum Agenten wurde. "Ich hatte damals das Gefühl, dass sich dieser Beruf weiterentwickeln würde", erklärt er. "Aber persönlich war das nichts für mich." Und dann veränderte eines Tages ein Anruf von Eric Raffin alles. "Eric Raffin hat mir das Angebot gemacht, sein Agent zu werden. Wir hatten die Gelegenheit, über Agenten zu sprechen, als ich noch Trainer war, und ich habe ihm geraten, einen zu beauftragen. Zuerst habe ich daran geglaubt, ohne Genaues darüber zu wissen. Ich habe mir gesagt, warum nicht..?"
Dieses "Warum nicht?" wird sieben Jahre lang andauern! Hinter den Kulissen findet die Eroberung des Sulky d'Or statt. Der jüngste Sohn von Jean Raffin hat 2019 beim ersten Triumph im Fahrerchampionat das dritte Jahr der Zusammenarbeit mit Fournier beendet. Und er wird es auch in den folgenden vier Jahren bleiben. "Wir mussten Erfolg haben", urteilt er im Nachhinein. "Aus diesen fünf Sulky d’Or´s schöpfe ich keinen persönlichen Ruhm. Aber ich sage, dass ich mich für Eric freue." In dieser Zeit sieht man ihn selten auf den Siegerfotos seiner Fahrer posieren, auch wenn das Team von Fournier mit der Ankunft von Anthony Barrier, nur wenige Tage nach seinem Kollegen Raffin und Christopher Corbineau größer wurde. "Ich habe großen Respekt vor den Trainern, die Schwierigkeiten haben, denn die Vorbereitung auf ein Rennen, welches auch immer es ist, ist eine langfristige Aufgabe. So sehr, dass ich es persönlich ein wenig unangemessen fand, auf dem Foto zu sein, weil meine Aufgabe einfach nur darin bestand, einen Anruf zu tätigen."
Ein weiterer Höhepunkt dieser Zeit: Eric Raffin´s Siegesrekord aus dem Jahr 2021 mit 351 Erfolgen. Zwei Jahre zuvor konnte er am letzten Tag der Saison im vorletzten Rennen mit dem bis dahin gültigen Rekord von 345 Siegen mit Jean-Michel Bazire im gleichziehen. "Es war wichtig mit dem Rekord gleichzuziehen und ihn dann zu brechen. Letztes Jahr konnte er mit weniger Rennen und Ausfallzeiten nicht besser abschneiden, aber ich hoffe, dass er ihn eines Tages erneut brechen kann."
Aber die sieben Jahre, haben letztlich ihren Tribut gefordert. "Die Müdigkeit kommt von vielen kleinen Dingen. Ich habe mich gezwungen, vom 1. Januar bis 31. Dezember erreichbar zu sein, ich wollte keinen Urlaub machen. Auch nicht als Eric Urlaub machte. Anthony brauchte mich oder Alan, mit dem ich in den letzten Jahren auch zusammengearbeitet habe. Ich wollte weiterhin in jedem Moment für sie da sein. Und dann mit der Zeit, vielleicht auch weil wir älter werden, beeinflussen einen die Gedanken von Trainern oder sogar Fahrern nach einer kleinen Enttäuschung mehr."
Somit sollte er eine Rückkehr ins Training in Erwägung ziehen. "Damals hat Julien Cormy seine Trainingstätigkeit für den Ecurie Minier eingestellt. Da habe ich mir gesagt: Warum es nicht noch einmal versuchen?" Und so stürzt er sich wieder in eine Tätigkeit, die er nie aufgegeben hatte. "Die Schwierigkeit des Jobs hat mich in keiner Weise gebremst. Als Agent habe ich die Gedanken von Trainern gehört." Es fehlte aber auch der tägliche Kontakt mit dem Pferd. "Als Agent hatten wir auch die Konkurrenz, aber der Druck war nicht derselbe. Als Trainer hat man so eine Genugtuung, wenn man ein Rennen gewinnt, und noch eher in Paris. Man hat dann einfach den Druck zu existieren. Ich liebe Pferde. Ich liebe sie sogar zu sehr, um ein sehr guter Trainer zu sein. Ich sage ganz sicher nicht, dass erfolgreiche Trainer ihre Pferde nicht lieben. Ich sage nur, dass ich meine Pferde enorm liebe."
Innerhalb eines Jahres gewannen die Pferde der Ecurie Minier unter seiner Verantwortung 13 Rennen. "Seit Beginn des Jahres sind wir gut gestartet. Das Jahr 2024 war durchschnittlich, ich würde sogar sagen, etwas weniger als durchschnittlich. Seit Beginn der neuen Saison haben wir die Anzahl der Pferde, die wir starten, auf etwa fünfzehn reduziert." Genug, um ihm die ersten Antworten auf seine Erwartungen zu geben: "Ich wollte etwas noch einmal anfangen und mir selbst, und warum nicht auch anderen beweisen, dass ich wieder Rennen gewinnen kan. Und warum nicht eines Tages ein sehr gutes Pferd haben, denn das ist es, was mich antreibt. Ich spreche von einem Quinte-Pferd, nicht von einem Gruppepferd, oder einem Pferd für den Grand National Du Trot."