News Frankreich Trab, 27.03.2025
(hen) In diesen Tagen hat LeTrot in einem ausführlichen Artikel einen Rückblick auf die erfolgreichsten Pferde aus den Verkaufsrennen publiziert.
Und dabei ist der Fokus besonders auf ein Pferd gerichtet, dass wirklich als "Verkaufsschlager" durchgehen darf. Die Rede ist von Emeraude De Bais. Die Stute hat ihr Umfeld lange auf den endgültigen Durchbruch warten lassen, aber mittlerweile alle Referenzen in ihrer Vita, die sie auch als spätere Mutterstute ganz besonders wertvoll machen. Anfang März 2024 holte sie sich als Zweite im Gran Criterium De Vitesse eine neue Bestmarke von unglaublichen 08,3. Dieser Rekord machte sie auch zur schnellsten Stute Europas. Ende Oktober des gleichen Jahres durchbrach sie mit dem Sieg im Grand Prix De Sud-Ouest die Marke von einer Million Euro. Da war sie schön längst 10jährig. Und vor knapp drei Wochen war wieder der "Vitesse" Schauplatz für den nächsten Meilenstein in ihrer Karriere. Mit 11 Jahren holte die Repeat Love-Tochter ihren ersten Gruppe I-Erfolg, der das große Team um sie herum sehr sentimental machte.
Aber wie verlief der Weg bis zu dieser großartigen Erfolgsgeschichte? Im Dezember 2019 war Junior Guelpa bereits der zweite Ausbilder der Stute. Unter seiner Regie gab es bereits fünf Disqualifikationen in Folge, was zum Start in einem Verkaufsrennen führte. Nachdem sie lange Zeit an der Tete verbrachte, löste sich den Einlauf hinein, machte dann aber das halbe Dutzend an Ausfällen voll. Das hielt Franck Nivard aber nicht aber davon ab, ein Angebot abzugeben. "Sie stach mir ins Auge, weil sie uns auf der Höhe der Tribüne wie ein Auto überholt hatte und doppelt so schnell war, wie wir. Am Eingang zur Geraden hatte sie das Rennen gewonnen, aber sie galoppierte. Sie hatte ein Gangartproblem", erinnert sich der damals neue Besitzer Franck Nivard an den Tag des Ankaufs. In diesem "Reclamer" lag der Mindestverkaufspreis bei 22.000 Euro. Emeraude De Bais wechselte für 23.501 Euro in den Stall von "Francky" und wurde gleichzeitig prozentual auch neu in den Besitzverhältnissen verteilt. Den bis heute größten Anteil hält Herve Carlus, in dessen Farben die Stute seitdem antritt. Nach drei Starts unter der Regie von Franck Nivard kam Emeraude De Bais mit zwei Ausfällen und einer unplatzierten Leistung aber auch nicht in Schwung. Es musste eine weitere Veränderung her. Eine die Erfolg verspricht...
Emeraude De Bais hatte bis dahin zwei verschiedene Trainer gekannt, Cedric Herserant und Junior Guelpa. Und sie sollte zwei andere kennenlernen. Nach Franck Nivard schließlich Benjamin Goetz, der bis heute der Ausbilder geblieben ist und als Architekt aller Erfolge in ihrer Karriere angesehen werden darf. "Ich hatte schon die Gelegenheit zu sehen, dass Benjamin (Goetz) ausgezeichnete Arbeit mit dieser Art von komplizierten Pferden leistet, die Potenzial haben. Also habe ich nicht gezögert, sie ihm zu übergeben."
Und die Ergebnisse sollten bald folgen. "Die Tatsache, dass sich die Umgebung verändert hat und Emeraude regelmäßig an den Strand geht und dauerhaft draußen ist, war der Auslöser", sagt Herve Carlus. "Es hat dieser Stute viel Energie gegeben und gut getan. Sie war zufrieden und fand in die Spur."
Von da an wurde Emeraude De Bais immer besser. Franck Nivard im Sulky und Benjamin Goetz hinter den Kulissen war die perfekte Kombination. So steht Emeraude De Bais bei einer Bestmarke von 08,3, 22 Siegen, darunter ein Gruppe I-Triumph, zwei Erfolge in Gruppe II-Rennen und fünf Siege im Gruppe III. Dazu kommen 33 Platzierungen in den Top Fünf und ein Kontostand von 1.169.760 Euro.
Hastronaute - Aus dem Verkaufsrennen in vierzehn Monaten zum Gruppe I-Sieger
Es gibt aber auch einen weiteren Fall eines Gruppe I-Siegers, der aus einem Verkaufsrennen kam. An einem Tag im Juni 2020 sieht Yannick Henry in Beaumont-De-Lomagne Hastronaute aus dem Training von Sebastien Guarato in einem Reclamer leicht gewinnen. Dies war erst der vierte Start von diesem Hengst. In Partnerschaft mit Emmanuel Leclerc und dem Ecurie Feuillet, hat sich Yannick Henry dazu entschlossen ein Angebot abzugeben. Das Mindestgebot von 10.000 Euro haben sie dabei um 2.111 Euro überboten.
Das Schicksal des Booster Winner-Sohnes war damit besiegelt. In der Obhut des neuen Ausbilders wird er einige Siege holen und damit auch schnell in durch die Klassen klettern. Erst im Südwesten, dann in der Hauptstadt. Bis zu dem Punkt, dass er von seinem Umfeld als gut genug eingeschätzt wurde, um etwas mehr als ein Jahr nach seinem Kauf am Criterium der 4jährigen teilzunehmen. Als harter Widersacher übernahm er die Spitze, legte immer ein strammes Tempo vor und gab die Führung bis zum Pfosten nicht mehr ab. Seitdem teilt er sich mit Enino Du Pommereux in 11,7 den Rennrekord dieses Klassikers.
Diese außergewöhnliche Leistung konnte Hastronaute nie mehr bestätigen. In mehreren Rennen hat er sich aber danach noch ehrenvoll verteidigen können und bis heute, unter anderem durch die dreizehn Siege, fast 400.000 Euro verdient. Und vor allem ist er ja auch noch im Gestüt engagiert und versucht dort die guten Gene seines Vaters weiterzugeben.
Ein weiterer interessanter Kandidat in der Liste ist Saphir De Morge. Allerdings wechselte er nie den Besitzer über ein Verkaufsrennen. Dennoch tauchte der Guenor-Sohn im November 2010 in einem Reclamer auf, was er auch gewann. Sein damaliger Besitzer gab aber sicherheitshalber ein Gebot von 31.911 Euro ab, womit er zu dem Mindestgebot von 28.000 Euro ein wenig Spielraum gelassen hat. Und in diesem Fall dürfte der Besitzer auch sehr froh gewesen sein, dass sein Schützling nicht den Eigentümer gewechselt hat. Schließlich gewann der Hengst 2012 den Prix Des Centaures, und holte zwei Jahre später dritte Ränge im Prix De Cornulier und im "L'Ille-De-France".
Wenn man weiter in der Zeit zurückgeht, findet man auch noch einen ausgezeichneten Deal, den Yves Dreux eingefädelt hat, als er von Robert De Wulfs Passe Avant aus dem Reclamer für sich kaufte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der damals 6jährige eine nichtssagende Form. Unter der neuen Leitung von Yves Dreux holte der Hengst neun Erfolge in Serie, wovon fünf in Vincennes zu Stande kamen. Der letzte Sieg dieser Serie war mit dem Prix De Londres sogar ein Gruppe II in Enghien.
In einer längeren Liste findet man auch zwei Wallache, deren finale Gewinnsumme die halbe Million überschritten hat. Als Erstes sei Prinz Du Verger genannt, der dank seiner vierzehn Erfolge, unter anderem auf Gruppe III-Niveau, 660.000 Euro verdiente. Der Sohn von Axe De Sarts wechselte im Juni 2011 aus dem Stall von Bertrand Lefevre nach einem Verkaufsrennen in Laval für 18.150 Euro den Besitzer und fand unter der Verantwortung von Jean-Michel Baudouin einen neuen Ausbilder. Von seinem finalen Kontostand hat er über eine halbe Million in den neuen Farben verdient. Ein gutes Geschäft, wenn man den moderaten Ankaufspreis sieht.
Und auch Quel Hermes muss genannt werden. Der Hermes Du Buisson-Sohn wechselte einst aus dem Stall von Laurent Claude Abrivard mit vier Disqualifikationen in Folge in das Quartier von Benjamin Goetz. Keine zwei Wochen später hatte Goetz seinem neuen Schützling anscheinend das Traben neu beigebracht, denn der Wallach feierte umgehend einen Hattrick und hat sein Einkommen im Laufe von vierzehn Erfolgen und etwa dreißig Plätzen auf 540.000 Euro geschraubt.